Winlink — E-Mail über Amateurfunk
Mit dem Winlink-Modul verschickt und empfängt HAM-Tools E-Mails über das Winlink-Netz — an andere Funkamateure (per Rufzeichen) oder an ganz normale E-Mail-Adressen. Die Gegenseite braucht kein Internet: Das weltweite Netz aus CMS-Servern und RMS-Gateways stellt die Nachrichten zu. Genau das macht Winlink zum Standard für Notfunk und für Betrieb fernab jeder Infrastruktur.
Die komplette Protokoll-Engine (B2F/FBB, Kompression, Secure-Login) steckt im hauseigenen, quelloffenen Swift-Package WinlinkKit — es sind keine externen Programme nötig.
Neu in 1.33.0
Das Winlink-Modul ist neu — der Weg über Internet (Telnet/CMS) ist live auf dem Winlink-Netz abgenommen. Ab 1.34 kommen die Funk-Wege dazu: natives ARDOP mit mitgeliefertem Modem und VARA über das Netzwerk, dazu Kontakt- und Signatur-Verwaltung.
Modul öffnen
Winlink liegt in der Seitenleiste bei den Haupt-Anwendungen (unter SSTV). Es übernimmt — wie Logbuch und SSTV — das ganze Fenster: links die Ordner (Posteingang, Entwürfe, Postausgang, Gesendet, Papierkorb), in der Mitte die Nachrichtenliste mit Suche, rechts der Lesebereich. Über ‹ Übersicht geht es zurück.
Einrichten (einmalig)
Du brauchst ein (kostenloses) Winlink-Konto — das entsteht automatisch beim ersten Verbinden mit eigenem Rufzeichen, oder vorab auf winlink.org. Dann in Einstellungen → Winlink:
- Passwort des Winlink-Kontos eintragen. Es wird ausschliesslich im macOS-Schlüsselbund gespeichert — nie in Dateien.
- Rufzeichen und Locator übernimmt das Modul automatisch aus dem Station-Tab. Die Felder im Winlink-Tab bleiben normalerweise leer; ein Eintrag dort gilt nur für Winlink (z.B.
HB9HJI/Pfür Portabel-Betrieb). - CMS-Server: Standard ist die Produktion (
server.winlink.org). Der Testserver (cms-z.winlink.org) eignet sich für Verbindungstests — Achtung: er stellt nichts zu (isolierter Nachrichtenspeicher).
Nachrichten verfassen
Verfassen in der Toolbar öffnet ein eigenes Fenster:
- An/Cc: Winlink-Rufzeichen (
HB9XYZ) oder E-Mail-Adressen (name@example.com), gemischt und mehrfach (Komma/Semikolon getrennt). - Anhänge über die Büroklammer — Winlink überträgt sie komprimiert; über Funk gilt: je kleiner, desto besser.
- Bild-Anhänge werden automatisch verkleinert ab 1.39 — im Menü Bilder stehen vier Zielgrössen (klein ~50 KB, mittel ~150 KB, gross ~400 KB, Original), Vorgabe ist mittel. Das Original bleibt im Fenster erhalten: Ein Wechsel der Zielgrösse rechnet verlustfrei neu. Unter der Anhang-Leiste steht die geschätzte Übertragungszeit für ARDOP 500 und ARDOP 2000 — ein 4-MB-Foto braucht auf ARDOP 500 über eine Stunde, auf 50 KB verkleinert knapp zwei Minuten.
- Signaturen: Die Standard-Signatur wird automatisch eingefügt und lässt sich über das Signatur-Menü pro Nachricht wechseln (Verwaltung ab 1.34 in Einstellungen → Winlink).
- Als Entwurf speichern (⌘S) legt die Nachricht unter «Entwürfe» ab — wiederholtes Speichern aktualisiert den Entwurf, statt Kopien anzuhäufen.
- In Postausgang legen (⌘⏎) reiht die Nachricht für den nächsten Austausch ein.
Aus dem Lesebereich heraus gibt es Antworten, Allen antworten und Weiterleiten; im Entwürfe-Ordner öffnet der Stift-Button den Entwurf zum Weiterschreiben.
Abrufen & Senden
Der Knopf Abrufen & Senden (⇧⌘R) verbindet sich per Telnet mit dem Winlink-CMS, meldet sich mit Secure-Login an, überträgt den Postausgang und holt neue Nachrichten ab. Unten zeigt die Statusleiste den Fortschritt live; nach der Sitzung steht dort die Zusammenfassung («1 Nachricht gesendet, 2 empfangen»).
- Protokoll öffnet das vollständige Session-Protokoll (kopierbar, mit Sprung in den Log-Ordner). Jede Sitzung wird zusätzlich als Datei unter
HAM-Tools/Winlink/Logs/abgelegt. - Gesendete Nachrichten wandern nach Gesendet, empfangene erscheinen ungelesen im Posteingang (blauer Punkt, Badge am Ordner).
Ab 1.34: der Pfeil neben «Abrufen & Senden»
Der Knopf wird zum Split-Button: Klick = Internet (CMS), Pfeilmenü = Funk über ARDOP oder VARA — siehe Funkbetrieb.
Posteingang, Ordner & Suche
- Eigene Unterordner unterhalb des Posteingangs lassen sich beliebig anlegen und verschachteln (z.B.
QSL/2026); Nachrichten dorthin verschieben, der Ungelesen-Status wandert mit. - Löschen verschiebt in den Papierkorb; dort ist Löschen endgültig.
- Die Suche über der Liste filtert den aktiven Ordner nach Absender, Empfänger, Betreff und Nachrichtentext.
- Technisch liegen alle Nachrichten als einzelne
.b2f-Dateien (Winlink- Standardformat) unterHAM-Tools/Winlink/Mailbox/— kompatibel, portabel und backup-freundlich.
Kontakte ab 1.34
Kontakte in der Toolbar öffnet das Adressbuch: Kontakte mit Rufzeichen, zusätzlichen E-Mail-Adressen, QTH/Locator, Notizen; Favoriten und frei benennbare Gruppen (einfach kommagetrennt am Kontakt eintragen). Im Verfassen-Fenster sitzt neben An/Cc der Kontakte-Picker — Favoriten zuoberst, Kontakte mit mehreren Adressen als Untermenü.
Funkbetrieb: ARDOP & VARA ab 1.34
Ohne Internet läuft der Austausch über ein RMS-Gateway auf Kurzwelle/UKW. Das Pfeilmenü neben «Abrufen & Senden» öffnet den Verbindungsdialog mit Gateway-Picker, Bandbreiten-Wahl und manueller Rufzeichen-Eingabe.
Schritt für Schritt
Der komplette Weg zur ersten Mail über Funk — Audio, PTT-Weg, Sendepegel, Gateway-Wahl und die Fallen dabei: Tutorial: Erste Winlink-Mail über ARDOP.
Gateway-Verzeichnis ab 1.39
Welche Gateways überhaupt in Frage kommen, holt sich HAM-Tools direkt bei den Winlink Web Services — für ARDOP, VARA HF und VARA FM. Der Picker im Verbindungsdialog zeigt eine Kurzliste (Favoriten zuerst, dann die nächsten), das ganze Verzeichnis steht im Fenster Gateways (⌥⌘G, auch über Fenster ▸ Winlink).
Dort steht zu jedem Kanal Distanz und Peilung vom eigenen Locator aus, dazu Band, Dial-Frequenz, Bandbreite und Herkunft. Sortieren nach Distanz beantwortet die praktische Frage direkt: welches Gateway ist von hier aus das nächste? Suche nach Rufzeichen oder Locator, Filter nach Band, Favoriten für die Stationen, die man regelmässig nutzt — Favoriten stehen im Picker immer zuoberst. Rechtsklick bietet «Verbinden über …» und «Dial-Frequenz kopieren».
Distanz wird lokal gerechnet
Nicht die Angabe des Dienstes wird übernommen, sondern die Distanz aus deinem Locator neu gerechnet. Dadurch stimmt sie auch dann noch, wenn du unterwegs den Locator wechselst, ohne die Liste neu abzurufen.
Wie oft abgerufen wird: höchstens einmal täglich, im Hintergrund. Winlink verlangt sparsame Nutzung des Dienstes, deshalb bremst die App auch den Aktualisieren-Knopf — im Fenster steht dann «Frühestens wieder HH:MM». Ohne Verbindung gilt der lokale Zwischenspeicher, und solange noch nie abgerufen wurde, die eingebauten Schweizer Starter-Kanäle. Ein Locator in den Einstellungen ist Voraussetzung: ohne ihn gibt es keine Umkreissuche. Tagesabgleich und Suchradius (300 bis 3000 km) stehen unter Einstellungen → Winlink.
ARDOP (empfohlen, komplett nativ): HAM-Tools bringt das ardopcf-Modem gleich mit — es braucht nur das USB-Kabel zum Funkgerät. In Einstellungen → Winlink unter «Funk: ARDOP»:
- TNC «Integriert (ardopcf)» wählen.
- Audio-Ein-/Ausgang auf den USB-Audio-Codec des Funkgeräts stellen (nicht Mac-Mikro/-Lautsprecher!). Beim ersten Verbinden fragt macOS nach der Mikrofon-Freigabe.
- PTT: bei Icom am einfachsten CAT (CI-V) über den seriellen USB-Port (IC-7610: Adresse
98, IC-705:A4). Alternativ RTS, rigctld oder VOX. - Funkgerät in den Daten-Modus (USB-D) — mit CAT-PTT stellt HAM-Tools beim Gateway-Picker-Verbinden Frequenz und USB-D automatisch ein (Auto-QSY). Nach der Sitzung bleibt das Gerät auf dem Kanal des Gateways stehen; wer den alten Zustand zurück will, schaltet QRG nach der Sitzung zurückstellen ein.
VARA (HF/FM): Das VARA-Programm ist Windows-only — es läuft auf einem Windows-Rechner (oder einer VM) im selben Netz; HAM-Tools verbindet sich über TCP. In «Funk: VARA» Host (IP des Windows-Rechners) und Ports (8300/8301) eintragen; PTT übernimmt VARA selbst.
Wo verbinde ich das Funkgerät — im CAT-Modul oder in Winlink?
Einmal, im CAT-Modul. Winlink benutzt diese Verbindung mit ab 1.39.1 — es gibt nichts doppelt einzurichten. Der PTT-Weg «CAT-Verbindung von HAM-Tools» ist die Vorgabe: getastet und abgestimmt wird über die Verbindung, die ohnehin steht, und der automatische QSY läuft mit. Serieller Port, CI-V-Adresse und Baudrate stehen dort, wo du sie einmal eingetragen hast — im CAT-Modul.
Vor 1.39.1 hatte der Winlink-Teil eine eigene Gerätekonfiguration. Das war ein Erbe seiner Herkunft (er stammt aus einem eigenständigen Client ohne CAT-Modul) und führte in die Sackgasse: Ein serieller Port gehört unter macOS immer nur einem Programm, also schlossen sich die beiden Verbindungen gegenseitig aus. Wer noch eine ältere Einstellung mitbringt, bekommt im Verbindungsdialog einen Hinweis mit einem Knopf, der sie umstellt.
Die anderen Wege bleiben — für die Fälle, in denen sie richtig sind:
- CAT (Icom CI-V) direkt auf dem seriellen Port, wenn du ohnehin nur Winlink fährst und das CAT-Modul nicht verbunden ist. Dieser Weg kennt den Datenmodus des Geräts am genauesten.
- rigctld, wenn dein Funkgerät über eine externe Instanz hängt (etwa wfview oder kappanhang beim IC-705 über WLAN). Auch «CAT teilen» aus dem CAT-Modul gehört hierher: Es hält den Hamlib-Server auf
127.0.0.1:4532offen, über den auch WSJT-X parallel arbeitet. - RTS oder VOX, wenn kein CAT im Spiel ist.
Wer den QSY macht
Bei einem Gateway aus der Liste stellt HAM-Tools Frequenz und USB-D selbst ein — über den Weg, der gerade gilt. Die Fussnote im Verbindungsdialog nennt ihn. Ist gar kein Weg verfügbar, sagt der Dialog, dass du von Hand einstellen musst, statt einen QSY zu versprechen, der ausbleibt.
Nach der Sitzung stehen bleiben ab 1.40.2
Nach dem Austausch bleibt das Funkgerät auf dem Kanal des Gateways stehen, und das zuletzt benutzte Gateway bleibt im Verbindungsdialog eingetragen. Der nächste Ruf geht damit direkt über den kurzen Weg («Abrufen & Senden» → Pfeilmenü → über ARDOP), ohne erneut umzustimmen — und am Display steht, worauf gearbeitet wurde.
Wer sein Gerät lieber so vorfindet, wie er es verlassen hat, schaltet in Einstellungen → Winlink → Funk: ARDOP die Option «QRG nach der Sitzung zurückstellen» ein. Dann stellt HAM-Tools Frequenz und Modus nach der Sitzung wieder her — über denselben Weg, über den umgestellt wurde.
Sendepegel einstellen ab 1.40
Über Funk hängt die Verbindungsqualität weniger an der Leistung als am sauberen Signal. Das Modem gibt NF ans Funkgerät, und im Datenbetrieb (USB-D und Verwandte) geht die direkt auf den Modulator — ohne die Mikrofonkette, die sonst begrenzt. Zu viel Pegel übersteuert, verbreitert das Signal und kostet Dekodierungen; zu wenig kostet kaum Reichweite. Deshalb der Richtwert: so weit herunter, dass die ALC-Anzeige des Geräts gerade eben anspricht.
Bis 1.39 lief das Modem immer mit voller Amplitude — die App konnte den Pegel gar nicht setzen. In Einstellungen → Winlink → Funk: ARDOP steht dafür jetzt ein Regler.
Der Pegel-Assistent nimmt das Einstellen ab. Er sendet einen Zweiton, erhöht den Pegel Stufe für Stufe und liest dabei die ALC des Geräts über die bestehende CAT-Verbindung. Übernommen wird die Stufe unter der ersten, bei der die ALC anspricht.
Der Assistent sendet
Mehrere Sekunden je Stufe, auf der eingestellten Frequenz. Nur auf einer freien Frequenz oder in die Kunstlast — und mit angeschlossener Antenne bzw. Dummy-Load. Abbrechen geht jederzeit; der Sender wird in jedem Fall wieder entsichert.
Ob gemessen werden kann, hängt am PTT-Weg — genauer daran, wer den seriellen Port hält:
| PTT-Weg | Messung |
|---|---|
| CAT-Verbindung von HAM-Tools | ja |
| rigctld | ja |
| VOX | ja, über CI-V |
| CAT (Icom CI-V) | nein |
| RTS | nein |
Bei CI-V und RTS öffnet ardopcf den seriellen Port selbst, und ein Port gehört immer nur einem Programm — dann kommt HAM-Tools nicht mehr ans Gerät. Der Assistent sagt das vor dem Start und sendet den Ton trotzdem: Du liest die ALC dann am Display ab und schiebst den Regler von Hand. Meldet dein Gerät gar keine ALC, sagt er das ebenfalls.
Die geräteseitige Hälfte stellt die App nicht: Der USB MOD Level im Funkgerät (bei Icom unter MENU ▸ SET ▸ Connectors) ist über CAT nicht erreichbar. Lass ihn auf dem Werkswert und mach den Feinabgleich über den Pegel in HAM-Tools.
Gut zu wissen
- Nachrichten an das eigene Rufzeichen gelten beim CMS als sofort zugestellt und kommen nicht zurück. Zum Testen: eine Nachricht an
TESTsenden (Auto-Antwort-Bot) oder von extern ans eigene Call schreiben. - Spam-Schutz: E-Mails von Absendern, die dein Winlink-Konto nicht kennt, werden verworfen — entweder die Absender-Adresse auf winlink.org in die Whitelist eintragen oder den Betreff mit
//WL2Kbeginnen. - Gateway-Zeitkonto: RMS-Gateways begrenzen die Funk-Nutzung (typisch 120 Minuten pro Tag und Gateway) — das Gateway meldet den Reststand beim Verbinden, sichtbar im Protokoll.