Zwei Antennen mit WSPR vergleichen
Am Ende dieses Tutorials steht eine Zahl statt eines Bauchgefühls: wie viele dB die eine Antenne der anderen voraus ist, gemessen über echte Empfänger in aller Welt. Hands-on sind es rund 15 Minuten — dazu kommt die Messzeit, in der die Bake einfach läuft.
Voraussetzungen
- HAM-Tools installiert (WSPR läuft auch im Demo-Modus — es wird nichts geloggt)
- Funkgerät mit USB-Audio-Codec, per USB am Mac
- CAT eingerichtet — nicht zwingend, aber dann stellt die App Band und Frequenz selbst
- Zwei Antennen für dasselbe Band — und ein Plan, wie du zwischen ihnen wechselst (Umstecken, Antennenumschalter, zweiter Abstimmpunkt …)
- Rufzeichen und Locator in Einstellungen → Station
Schritt 1 — Empfang prüfen
Bevor die Bake sendet, soll der Rückkanal stehen.
- WSPR in der Seitenleiste öffnen (bei den Haupt-Anwendungen, unter Winlink)
- Audio → Eingang (RX) auf den USB-Codec des Funkgeräts stellen — nicht auf das Mac-Mikrofon. Beim ersten Mal fragt macOS nach der Berechtigung.
- Betrieb → Band wählen (fürs erste Mal ist 20 m tagsüber dankbar, 40 m abends). Mit CAT springt das Gerät selbst auf die Frequenz.
- Betriebsart USB, besser USB-D (Datenmodus) — dort kommt das Audio vom USB-Codec, ohne Kompressor davor.
- Empfang starten und zwei bis vier Minuten warten.
Tauchen die ersten Zeilen unter Ich höre auf, stimmt die Kette. «Wartet auf die nächste gerade Minute» ist normal — WSPR beginnt nur auf geraden UTC-Minuten.
Die Dial-Frequenz ist nicht die Sendefrequenz
Das WSPR-Fenster liegt 1400–1600 Hz über der Dial-Frequenz — auf 20 m zeigt das Gerät 14,0956 MHz, die Signale liegen bei ~14,0971 MHz. Nichts verstellen, das gehört so.
Schritt 2 — Bake einrichten
- Audio → Ausgang (TX) auf den USB-Codec stellen
- Eigene Angaben prüfen: Rufzeichen, vierstelliger Locator, Leistung — 23 dBm (200 mW) ist der übliche Bakenpegel. Die Angabe wandert in fremde Auswertungen, sie sollte stimmen.
- Senden → Senden erlauben einschalten
- Abgleichton senden und am Gerät die ALC beobachten: Ausgangspegel so weit herunter, dass die ALC gerade eben anspricht. Der Ton hat dieselbe Amplitude wie die spätere Aussendung — was jetzt stimmt, stimmt für die Bake. (Höchstens 20 Sekunden — der Ton deckt das schmale WSPR-Fenster zu.)
- Sendeanteil auf 20 % lassen
Einmal senden
Der Knopf Einmal senden schickt unabhängig vom Sendeanteil im nächsten Fenster eine Aussendung — gut, um die Kette zu prüfen, bevor die Messung beginnt.
Schritt 3 — Sitzung für Antenne A
Jetzt beginnt die eigentliche Messung.
- Antenne A anschliessen und ggf. abstimmen
- Links unter Betrieb ins Sitzungsfeld den Aufbau hinter das vorbelegte Datum tippen — z.B.
20260828 Dipol— und Sitzung starten - Empfang und Senden laufen lassen — 45–60 Minuten sind ein guter Richtwert. Bei 20 % Sendeanteil sind das rechnerisch fünf bis sechs Aussendungen.
- Sitzung beenden
Je länger die Sitzung, desto mehr Stationen hören beide Aufbauten — und desto belastbarer wird nachher der Vergleich.
Schritt 4 — Umbauen, Sitzung für Antenne B
- Antenne B anschliessen — am Funkgerät sonst nichts ändern: gleiches Band, gleiche Leistung, gleicher Audio-Pegel. Alles, was sich mitändert, landet sonst mit in der Messung.
- Neue Sitzung benennen (
20260828 Vertical) und Sitzung starten — eine laufende Sitzung wird dabei automatisch geschlossen - Gleich lange messen wie bei Antenne A, dann Sitzung beenden
Direkt nacheinander messen
Die Ausbreitungsbedingungen ändern sich über Stunden stärker als jede Antenne. Je dichter die beiden Sitzungen beieinander liegen, desto weniger Ionosphäre steckt im Ergebnis. Der Vergleich rechnet das über gemeinsame Stationen weitgehend heraus — aber «A am Vormittag, B am Abend» bleibt eine schlechtere Messung als «A und B direkt nacheinander».
Schritt 5 — Meldungen der Sendeseite abrufen
Wer die eigene Bake gehört hat, steht bei WSPRnet — HAM-Tools holt die Meldungen über wspr.live:
- Blickrichtung Mich hören wählen
- Abrufen klicken
Die Sendeseite braucht Geduld
Die Meldungen treffen dort oft erst Stunden nach dem Betrieb vollständig ein. Dank der Sitzungen ist das egal: Später eintreffende Meldungen fallen von selbst in den richtigen Zeitraum. Also ruhig am Abend oder am nächsten Tag nochmal Abrufen — der Vergleich sagt dir, wenn er die Sendeseite noch für unvollständig hält.
Schritt 6 — Auswerten
- Blickrichtung Vergleich wählen
- Die beiden Sitzungen auswählen — sie stehen mit ihren Namen zur Wahl, keine Uhrzeiten aus dem Gedächtnis
- In der Filterleiste das Band setzen
- Auswerten
Das Ergebnis ist der Median der SNR-Differenz über Stationen, die beide Sitzungen gehört haben — nur die zählen, denn «zwölf Stationen gegen acht» misst die Ionosphäre, nicht die Antenne. Die Zahl der gemeinsamen Stationen steht gleichwertig daneben: Ein Ergebnis aus drei Stationen ist ein Hinweis, keines aus dreissig ein Urteil.
Warnt der Vergleich vor sehr unterschiedlich langen Sitzungen, nimm das Angebot an, auf die kürzere Dauer zu beschneiden. Und auf der Karte (unter Ich höre / Mich hören, Zeitraum jeweils auf eine Sitzung gestellt) siehst du, ob sich die beiden Aufbauten in eine Richtung unterscheiden — dafür sind die Grosskreise da.
Typische Stolperfallen
| Falle | Abhilfe |
|---|---|
| ALC schlägt voll aus | Ausgangspegel runter — Übersteuerung erzeugt Nebenaussendungen im 200 Hz schmalen Fenster |
| Sendeleistung zwischen den Sitzungen verändert | Gleiche Leistung für A und B — sonst misst du den Leistungsregler mit |
| «Mich hören» ist fast leer | wspr.live-Verzögerung — später nochmal Abrufen |
| Liste wirkt tot, Dekoder läuft | Zeitfilter steht woanders — der Hinweis-Streifen über der Liste setzt ihn zurück |
| Vergleich über mehrere Bänder | In der Filterleiste ein Band setzen — bandübergreifend ergibt keine Aussage |
Nächste Schritte
- WSPR-Modul im Detail — Bandwechsel-Automatik, Karte, km/W
- Antennen-Simulator — dieselbe Antenne vorher rechnen: rechnen, bauen, messen, vergleichen
- Sitzungszeiten verrutscht? Sitzungen verwalten — eine korrigierte Grenze ordnet die Spots sofort neu zu