FT8 / FT4 — Aktivieren ohne WSJT-X
FT8 ist die Betriebsart für kleine Leistung und kurze Zeit: Ein QSO besteht aus sechs festen Nachrichten im 15-Sekunden-Takt. Bei einer POTA- oder SOTA-Aktivierung mit dem Notebook auf dem Schoss kostet jedes zusätzliche Fenster Zeit und Nerven. Darum bringt HAM-Tools FT8 und FT4 selbst mit: Empfang, Senden, der Ablauf eines QSOs und das Loggen laufen im selben Modul wie das Logbuch. WSJT-X wird nicht gebraucht, darf aber parallel am selben Audio-Eingang mithören.
Modul öffnen
FT8 / FT4 liegt in der Seitenleiste bei den Haupt-Anwendungen, unter WSPR. Links stehen Radio, Frequenz, Audio, Betrieb und Automat. Rechts liegt oben der Wasserfall, darunter die beiden Listen und unten der QSO-Arbeitsplatz mit den Nachrichten Tx1–Tx6, der Warteschlange und der Sendebedienung. Die Höhe von Wasserfall und Arbeitsplatz lässt sich an den Griffen dazwischen ziehen; die App merkt sich die Aufteilung. Ganz unten zeigt eine Zeile die jüngste Meldung, ein Klick auf Protokoll klappt den ganzen Verlauf auf.
Die Kopfleiste zeigt Band und Dial-Frequenz, den CAT-Status, den Schalter Monitor und einen zweiten Knopf für Empfang starten/stoppen.
In fünf Minuten empfangen
- Audio → Eingang (RX) auf den USB-Codec des Funkgeräts stellen.
- Frequenz → Band wählen. Mit CAT-Verbindung springt das Funkgerät selbst auf die FT8-Frequenz des Bands und in den Datenmodus (USB-D).
- Empfang starten.
Der Wasserfall läuft sofort mit; nach dem ersten vollen Slot (15 s bei FT8, 7,5 s bei FT4) füllt sich die Liste Band Activity. Die Rechenzeit je Slot steht links unter dem Pegel; sie liegt auf einem aktuellen Mac deutlich unter einer Sekunde.
Die Uhr muss stimmen
FT8 verträgt etwa eine Sekunde Uhrenversatz, schwache Signale gehen schon vorher verloren. Das Modul schätzt den Versatz aus den empfangenen Signalen und warnt oben rechts ab einer halben Sekunde. Unterwegs ohne Netz hilft ein kurzer Abgleich über Tethering, bevor es losgeht.
Filter am Funkgerät
Mindestens 3 kHz breit, sonst fehlen die Signale am oberen Rand des Wasserfalls. Betriebsart USB-D (Datenmodus): Dort kommt das Audio vom USB-Codec, ohne Kompressor und Mikrofonentzerrung.
Der Wasserfall
Der Wasserfall zeigt die letzten 60 Sekunden, neueste Zeile oben, mit einer Linie je Slot-Grenze und der Zeit in UTC (Minute:Sekunde) am linken Rand. Darüber liegt das Spektrum der jüngsten Zeile.
- Klick setzt die grüne RX-Markierung, etwa auf eine Station, die du im Auge behalten willst. Der Decoder liest trotzdem immer das ganze Band.
- ⇧-Klick setzt die eigene Sendefrequenz (roter TX-Balken). Während einer Aussendung bleibt sie fest.
- Kontrast regelt, wie stark schwache Signale hervortreten.
- Monitor aus pausiert nur den Wasserfall und spart Rechenleistung und Akku. Empfang, Decodierung und Automat laufen weiter.
Während der eigenen Aussendung bleibt der Wasserfall leer, weil der Empfang dann ruht.
Die zwei Listen und ihre Farben
- Band Activity zeigt alles, was in den letzten 10 Minuten dekodiert wurde, neuester Slot zuerst. CQ only blendet alles ausser CQ-Rufen aus.
- QSO-Verlauf (in WSJT-X «Rx Frequency») zeigt nur, was dich betrifft: Anrufe an dich, die Zeilen deines Partners und deine eigenen Aussendungen.
| Farbe | Bedeutung |
|---|---|
| Grün | CQ-Ruf einer anderen Station |
| Rot | Zeile mit deinem Rufzeichen, also ein Anruf an dich |
| Rosa, «Tx» in der dB-Spalte | deine eigene Aussendung |
| Grau | RR73, RRR oder 73 zwischen fremden Stationen |
| Fett | Zeilen deines aktuellen QSO-Partners |
Senden
Senden ist doppelt gesichert: TX enable muss eingeschaltet sein (nach jedem Öffnen des Moduls aus), und es braucht eine CAT-Verbindung für die PTT sowie einen ausdrücklich gewählten Audio-Ausgang. Warum ein Knopf gerade gesperrt ist, steht immer als Text darunter.
- Im Wasserfall eine freie Stelle mit ⇧-Klick wählen; das setzt die Sendefrequenz (Audio). Freie Stellen in beiden Perioden sind ideal, weil die Anrufer in der anderen Periode auf derselben Frequenz antworten.
- Tune drücken und am Funkgerät die ALC beobachten. Level so stellen, dass die ALC gerade nicht anspricht — zu viel Pegel erzeugt Splatter.
- Periode wählen: 1. (:00/:30) oder 2. (:15/:45). Wer CQ ruft, nimmt eine; die Anrufer antworten in der anderen.
Die Sendebedienung (Sendefreigabe, Auto Seq, Pegel, Senden/Halt TX, Tune) liegt rechts im QSO-Arbeitsplatz. Ist das Fenster schmal, etwa auf einem 13-Zoll-Notebook, stehen diese Knöpfe zuoberst und die Einstellungen (Nachricht, Periode, Audiofrequenz, Watchdog) darunter.
Ein Bandwechsel startet den Empfang neu und leert die Listen. Solange gesendet wird oder der Automat läuft, ist das Band gesperrt.
Halt TX (auch Esc) hält jedes Senden sofort an, auch den Automaten. Der Tx-Watchdog beendet unbeantwortetes Dauer-CQ nach der eingestellten Zeit; jeder QSO-Fortschritt verlängert ihn.
Leistung und HF im USB-Kabel
Bricht eine Aussendung mit «CAT-Verbindung oder Sendefreigabe weg» ab, streut meist HF in den USB-Strang. Das Modul lässt dann bewusst die PTT los. Weniger Leistung oder ein Ferrit nahe am Funkgerät schaffen Abhilfe.
Der Aktivierer-Automat
Der Automat fährt die Aktivierung: CQ rufen, Anrufer in die Warteschlange, Rapport, RR73, loggen, nächster Anrufer.
- Ein Log öffnen, zum Beispiel die POTA-Session. Die Zeile unter Activator Auto-Seq zeigt, wohin fertige QSOs gehen: Logname, Programm-Referenzen und das Rufzeichen, mit dem gerufen wird (das Log-eigene Rufzeichen wie HB9HJI/P hat Vorrang vor dem aus den Einstellungen).
- CQ modifier prüfen. Die Vorgabe kommt aus dem Log-Typ (POTA, SOTA, WWFF, BOTA, WCA, GMA); leer ergibt ein einfaches CQ.
- Start CQ Auto-Seq links oder Auto Seq im QSO-Arbeitsplatz. Esc, Stop Auto-Seq oder Auto Seq aus hält an.
Fertige QSOs landen mit Dial-Frequenz, Band, Mode (FT4 als MFSK/FT4), beiden Rapporten, Locator und allen Programm-Referenzen des Logs im Logbuch. Ist ein Callbook eingerichtet, werden Name, QTH und DXCC nachgetragen, sobald die Antwort da ist; offline bleibt der Eintrag, wie er ist.
Was der Automat von sich aus tut
- Antwortet ein Anrufer nach drei Rapporten nicht, kommt er ans Ende der Warteschlange und bekommt später eine zweite Chance; danach ist er weg.
- Ein wiederholter R-Rapport nach dem RR73 bekommt nochmals RR73, aber kein zweites Log (30 Minuten lang).
- Wer auf dem Band schon im Log steht, erscheint rot in der Warteschlange und wird nur gerufen, wenn du ihn anklickst oder vorziehst.
- Anrufer, die seit zwei Minuten nicht mehr gehört wurden, werden übersprungen.
Der QSO-Arbeitsplatz
Unter den Listen liegt der Arbeitsplatz nach dem Vorbild von WSJT-X. Die Zeile darüber zeigt, in welches Log fertige QSOs gehen.
- DX Call, DX Grid, Report: der aktuelle Partner, dein Rapport an ihn und daneben seiner an dich. Skip gibt ihn auf.
- Sequence: die sechs Standardnachrichten Tx1 bis Tx6. Der orange Punkt unter Next markiert, was in der nächsten eigenen Periode gesendet wird; ein Klick darauf wählt die Nachricht nur aus, gesendet wird damit nicht. Now erzwingt eine Nachricht einmalig; der Automat macht danach weiter, als wäre nichts gewesen. Ohne Automat übernimmt Now die Nachricht und sendet sie wiederholt.
- Tx6 als Next wählen heisst: zurück zu CQ. Ein laufendes QSO wird abgebrochen, der Nächste aus der Warteschlange kommt dran.
- Call 1st (Häkchen): Anrufer werden automatisch gerufen. Ohne Häkchen sammeln sie sich in der Warteschlange, bis du einen anklickst; dann erscheint dort ein oranger Hinweis mit Wieder einschalten. Jeder Start des Automaten schaltet Call 1st wieder ein.
- Queue: wartende Anrufer mit Rapport. Pfeil = als Nächsten rufen, X = streichen. Ein Pfeil zurück markiert die zweite Chance.
- Das Protokoll des Automaten steht unten im Fenster: zugeklappt die jüngste Meldung, aufgeklappt der Verlauf mit der neuesten Zeile zuerst.
Klicken statt warten
Ein einfacher Klick wählt eine Zeile nur aus. Reagiert wird auf Doppelklick, auf den Knopf Antworten über der Liste oder auf Antworten im Kontextmenü. Das geht auch während der eigenen Aussendung.
- Rote Zeile doppelklicken (ein Anruf an dich): Die Station wird sofort der Partner, der Automat startet dazu, falls er aus ist. Ein laufender Partner wartet vorne in der Warteschlange. Hat die Station schon einen R-Rapport geschickt, geht es direkt mit RR73 weiter.
- Grüne Zeile doppelklicken (ein CQ): Die Station wird gerufen, wie beim Doppelklick in WSJT-X. Während der eigenen Aussendung geht das nicht, weil dafür die Periode wechselt; ein Hinweis sagt das. Die Sendeperiode wechselt auf die Gegenperiode des CQ-Rufers. Ablauf: Tx1 mit Locator, ihr Rapport, Tx3, ihr RR73, loggen, einmal 73, zurück zu CQ. Nach drei Tx1 ohne Antwort gibt der Automat auf.
- Die grüne RX-Markierung springt auf die Station. Mit Hold Tx Freq (Standard) bleibt die eigene Sendefrequenz, ohne springt sie auf die Frequenz der Station.
«Wer hört mich?» — die PSK-Reporter-Karte
Der Knopf Wer hört mich? über den Listen öffnet ein eigenes Fenster mit einer Karte: jede Station, die deine Aussendung dekodiert und an PSK Reporter gemeldet hat, erscheint als Marker in der Bandfarbe, mit Rapport, Entfernung und Zeitpunkt. Rufzeichen und Locator kommen aus dem FT8-Modul, die Verbindung steht in der Fusszeile («Verbunden», «Gesammelt seit … UTC», «Letzte Meldung eingetroffen: … UTC»). Das Fenster gibt es nur einmal; ein zweiter Klick holt es nach vorn.
- Live: Neue Meldungen kommen über den MQTT-Feed von PSK Reporter (Datenfeed von M0LTE) innerhalb von ein bis zwei Minuten nach der Aussendung. Ein Band-Filter blendet den Rest aus und bleibt beim Wiederöffnen stehen.
- Neueste Meldungen abrufen: holt über die offizielle PSK-Reporter-Abfrage die jüngsten Meldungen zu deinem Rufzeichen — nur die neuesten rund 200 und höchstens 6 Stunden zurück, es ist kein Tagesarchiv. Zwischen zwei Abrufen liegen mindestens 5 Minuten; die Fusszeile nennt, wann der nächste möglich ist. Antwortet PSK Reporter mit einer Ratenbegrenzung (häufig hinter Mobilfunk- oder Starlink-Adressen, die sich viele Nutzer teilen), wartet die App 15 Minuten und sagt das.
- Pausieren stoppt den Feed, vorhandene Meldungen bleiben sichtbar; eine Unterbrechung wird vermerkt, weil Meldungen fehlen können. Schliessen des Fensters trennt die Verbindung, nach Schlafmodus oder Netzwechsel verbindet sie sich von selbst wieder.
- Laufendes QSO: Der aktuelle Partner des Automaten wird mit orangem Ring und Etikett («Rufzeichen · Entfernung») hervorgehoben, ein Infoblock zeigt Name und Land aus dem Callbook. Hat die Station selbst noch nichts gemeldet, steht ein gestrichelter Ring an ihrem Locator.
- Alle Zeiten in der Liste, im Popover und in der Fusszeile sind UTC.
Die Karte ersetzt keinen Sende-Test in die Antenne: Sie zeigt nur, was andere Stationen tatsächlich gemeldet haben. Dummy-Load-Tests erzeugen keine Meldungen.
Was in der Liste auffallen kann
- «<...>» statt eines Rufzeichens: Die Nachricht enthält ein gehashtes Rufzeichen, das der Decoder noch nicht aufgelöst hat. Nach einem vollen Standard-QSO dieser Station ist es bekannt.
- Falsche Rufzeichen mit −20 dB und tiefer: FT8 hat wie jede Betriebsart gelegentliche Fehldekodierungen. Der Automat reagiert nur auf Nachrichten, die an dich gerichtet sind.
- Weniger Decodes als WSJT-X: Der eingebaute Decoder findet rund 70 % dessen, was WSJT-X findet. Für den Aktivierer reicht das, weil die Anrufer auf die eigene Frequenz kommen; für das Jagen schwacher DX-Stationen bleibt WSJT-X die bessere Wahl.
Technischer Hintergrund
Kodierung, LDPC und Decoder stammen aus der Bibliothek ft8_lib von Kārlis Goba (MIT), die in die App einkompiliert ist; der einzige Eingriff betrifft das Packen von RR73 wie in WSJT-X. Details stehen unter Fremdkomponenten. Die Zeitraster, Nachrichten und der Ablauf des Automaten sind als eigenes Paket mit Tests gebaut, die den Ablauf mit gescripteten Decode-Folgen prüfen.